imgp3442

Was beim Friseur geht, muss auch bei uns möglich sein

Sepp Schellhorn   23.02.2021

Im November wurden wir auf Dezember vertröstet. Im Dezember dann auf Jänner. Und im Jänner hieß es, gleich im Februar. Jetzt haben wir Ende Februar und vor Ostern ist keine Öffnung in Sicht. Aber auch das ist nicht fix. Auf den Gastro-Gipfel folgten hohle Unverbindlichkeiten.

Dieses Hinhalten der Gastronomie und der Hotellerie vernichtet Arbeitsplätze und ruiniert Betriebe.

Selbst in Westösterreich ist nun die Wintersaison gelaufen und die Arbeitslosigkeit steigt. Kein Wunder, ohne Perspektive keine Kurzarbeit. Nach meinen Prognosen werden diesen Zick-Zack-Kurs rund 9.600 Betriebe – das sind 20 Prozent aller Betriebe der Beherbergung und Gastronomie – nicht überleben. Die Bedeutung des Wintertourismus hat die Tourismusministerin leider bis heute nicht verstanden. In manchen Talschaften liegt die Arbeitslosigkeit bei über 80 Prozent.

WKO – vom Dauerblockierer zum türkisen Bittsteller

Untätig flankiert wird dieses Debakel von der Wirtschaftskammer. Mit Innovationen steht man in der Kammer ja aus Prinzip auf Kriegsfuß. Wehrten sich die WK-Spitzenfunktionäre im Sommer noch gegen jede Form der Gäste-Registrierung, so betteln heute die gleichen Funktionäre um jede Form der Registrierung und fordern eine Freitestung. Die Zeit, die man im Sommer verspielt hat, holt man jetzt nicht mehr auf. Technische Lösungen mittels App, Testung und QR-Code wären längst möglich gewesen, doch Regierung und Kammer schlafen lieber in der Pendeluhr.

Fest steht: Was beim Friseur geht, muss auch im Wirtshaus und im Hotel möglich sein

Wir befinden uns aufgrund des Versagens der Gesundheits- und der Wirtschaftspolitik in einer tiefen Krise und Gernot Blümel versteht den Misserfolg seiner Hilfen nicht. Betriebe brauchen eine Perspektive, eine erkennbare Strategie und Kapital statt Ankündigungen.

Warten bis der Frühling kommt

So könnte man den Türkis-Grünen Plan zusammenfassen. Dabei könnte der Staat längst seine gute Bonität nützen und einen Fonds dotieren, der privaten Beteiligungsfonds und -investoren einen Teil ihrer Risiken abdeckt. So kann schwer getroffenen Unternehmen die notwendige Liquidität garantiert werden, denn Eigenkapital wird zum Überlebenselixier.

Finanzamt Österreich – leider nicht erreichbar

Doch Finanzminister Blümel bleibt weiter untätig und lobt stattdessen die Reform der Finanzverwaltung. Das ist originell, denn das Finanzamt Österreich kämpft während einer Pandemie mit dramatischen IT-Problemen und der telefonischen Erreichbarkeit. Nichts geht mehr bei Gründungsverfahren.

Aber diese Kritik berührt einen Finanzminister nicht, der selbst noch nie gegründet hat. Und Finanzverwaltung lernt man nun einmal nicht im Philosophiestudium.