Der Kanzler surft auf der zweiten Angstwelle

Sepp Schellhorn   29.09.2020

Der Wintertourismus wird der neue Städtetourismus

Après-Ski wird zum Fünf-Uhr-Tee degradiert und vorgezogene Sperrstunden sollen nun also den Wintertourismus retten. Aber wer den Sommer verschlafen hat, kann den Winter nicht mehr retten. Das Virus kommt mit dem Auto, war des Kanzlers Sommergschichterl. Da brauchen wir uns jetzt vor dem Winter nicht zu fürchten. Es wird nämlich kein Auto mehr über die Grenze kommen.

Den Sommer haben inländische Gäste gerettet, aber wer bisher nie Skifahren war, wird auch heuer nicht auf den Berg fahren. Der Zickzack-Kurs der Regierung und die Reisewarnungen versetzen vielen Betrieben gerade den Todesstoß.

Stadthotellerie: From bad to worse

Die Hotelauslastung ist österreichweit für die kommenden vier Wochen von katastrophalen 35 auf desaströse 23 Prozent gefallen. Ohne Gäste, ohne Planung und ohne Rettungsschirm steht jedes zweite Hotel vor dem Aus. Die Gäste buchen nur mehr kurzfristig und stornieren bei der nächsten Hiobsbotschaft schnell.

Der Kanzler surft auf der zweiten Angstwelle

Und während Kurz mit seinen Angstparolen die Menschen maximal verunsichert, vergeigt Finanzminister Blümel die Auszahlung der Hilfen. Selbst Monate nach dem Lockdown kommt das Geld nicht an. Der Fixkostenzuschuss ist ein bürokratisches Monstrum. Blümel sitzt auf zwölf Milliarden Euro, von denen nicht einmal 300 Millionen geflossen sind. Das ist kein Rettungspaket, das ist Sterbebegleitung.  Der Künstler Martin Grubinger hat seine Gedanken über einen Fleckenteppich an Regeln und Verordnungen und Gästen, die lieber daheimbleiben, zu Papier gebracht.

Kein Betrieb kann so überleben

Selbst jene, die bisher halbwegs über die Runden gekommen sind, kämpfen jetzt. Da geht’s den Wirten nicht anders als den Künstlern. Obwohl Konzertbesuche möglich wären, bleibt das Publikum oft aus – zu groß ist die Unsicherheit und das Chaos. Mit Thomas Maurer habe ich in Folge 8 meines Podcasts darüber gesprochen.

Die Regierung muss endlich realisieren, dass jeder Betrieb, der jetzt zusperren muss, nie mehr aufsperren wird. Damit gehen unternehmerische Existenzen und Arbeitsplätze verloren. Stirbt der Tourismus, stirbt der Tischler und veröden über kurz oder lang ganze Regionen. Und dagegen müssen wir uns wehren