Offener Brief: Appell für eine Taskforce Tourismus!

Sepp Schellhorn   06.03.2020

Sehr geehrte Frau Bundesminister Schramböck!

Die österreichische Tourismusindustrie wird weltweit bewundert, von der Politik auf nationaler Ebene jedoch höchst stiefmütterlich behandelt. Bitte bedenken Sie, dass der Tourismussektor im Jahr 2017 fast 24 Milliarden Euro direkt an Wertschöpfungseffekten gebracht hat und mit 6,4 Prozent zur Gesamtwertschöpfung beiträgt. Darauf ausdrücklich hinzuweisen ist mir ein Bedürfnis.

Denn in kaum einem anderen Land der Welt sind die Tourismuseinnahmen so hoch wie in Österreich. Aktuell jedoch sehen sich touristische Betriebe täglich mit Reisestornierungen konfrontiert, und dennoch handelt die Regierung hier bisweilen höchst unmotiviert.

Sehr geehrte Frau Minister, das von Ihnen angekündigte Paket von 10 Millionen Euro für Kreditgarantien ist in der aktuellen Situation – mit Verlaub – höchst unzureichend. Zudem wird dieses Geld zum größten Teil auch nicht dem Tourismus zugutekommen.

Aktuelle Erhebungen der ÖHV zum Status Quo zeigen bereits höchst alarmierende Ergebnisse:

  • 25% Buchungsrückgang und 174 entgangene Nächtigungen im Schnitt
  • im Durchschnitt Ausfälle in der Höhe von 25.000 Euro

Die Staatskassen wurden in den letzten Jahren von den Unternehmen ordentlich gefüllt. So nahm das Finanzministerium allein über die Unternehmenssteuer im Jahr 2019 um 384,7 Millionen Euro mehr ein als budgetiert. Gegenüber dem Jahr 2018 wurden somit Mehreinnahmen in der Höhe von 221,9 Millionen Euro verzeichnet.

Angesichts dieser Summen, Frau Minister, erscheint das angekündigte Paket in Höhe von 10 Millionen Euro wie Almosen, wie ein Tropfen auf den heißen Stein, wie eine Verhöhnung der in Not geratenen Unternehmerinnen und Unternehmer.

Des Weiteren sitzt, wie wir alle wissen, auch die Wirtschaftskammer als gesetzliche Arbeitgebervertretung auf Rücklagen in der Höhe von unfassbaren 1,6 Mrd. Euro. Das sind Rücklagen in der Höhe von 2500 Euro für jede/n in Österreich tätigen Unternehmer_in.

Was mich zu der Frage bringt, weshalb die Wirtschaftskammer unter Präsident Mahrer dieses Geld – diese Rücklagen, die exakt für Fälle wie den aktuellen gebildet wurden – nicht für ihre nun in Not geratene Pflichtmitglieder zur Verfügung stellt.

Sehr geehrte Frau Minister, es braucht konkrete Maßnahmen für den Tourismus. Und es braucht diese Maßnahmen jetzt.

Deshalb appelliere ich an Sie, Frau Minister, für eine Taskforce Tourismus.

Denn was jetzt nötig ist, sind schnelle kurzfristige Maßnahmen und Hilfe.

Wir fordern ganz klar

  • Annuitäten Moratorium bzw. Kredit-Tilgungsaussetzungen mit Unterstützung der ÖHT
  • Kurzarbeitszeitmodelle mit individuellen Durchrechnungszeiträumen
Und zu guter Letzt braucht es dringend einen Expertentisch abseits der Parteipolitik.

Abschließend darf ich noch zum Ausdruck zu bringen, dass ich gerne mit meinem Know-how, Netzwerk und Erfahrungen aus der Praxis zu Verfügung stehe und meine vollste Unterstützung anbiete.

Beste Grüße,

Sepp Schellhorn