Lebensraumministerium jetzt!

Sepp Schellhorn   16.09.2017

ÖVP und SPÖ verstehen nichts vom Tourismus. Das merkt man an der Visionslosigkeit ihres Tourismuskonzeptes. Im Gegenteil, sie haben durch die Umsatzsteuererhöhung auf Logis von 10 auf 13 % phänomenal bewiesen, dass Tourismusunternehmen fortwährend einem Unternehmen-Bashing ausgeliefert sind. Darüberhinaus wurde die steuerliche Abschreibung auf Anlagen auf 40 Jahre erhöht. Ein Wahnsinn für die KMUs, die rasch und effizient investieren wollen.

Wir brauchen hier eine echte Mentalitätsreform. Einen Game Changer, z.B. auch bei der Arbeitszeitflexibilisierung. Nirgendwo sonst außer im Tourismus haben wir Stoßzeiten (Sommer-/Wintersaison). Ein Durchrechnungszeitraum von 365 Tagen hilft beiden Seiten: Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Der Arbeitnehmer muss nicht mehr in die Arbeitslose gehen und für den Unternehmer fällt ein lästiger bürokratischer Aufwand bei Ab- und Anmeldung seiner Mitarbeiter weg. Und wir brauchen eine Senkung der Lohnnebenkosten. Die MitarbeiterInnen kosten zu viel und verdienen zu wenig. Es ist eine Tatsache, dass nur 1/3 der Gesamtgehalt Bruttosumme beim Arbeitnehmer ankommt.

Ziel: Lebensraumministerium

Ich fordere schon seit langem die enge Verknüpfung von Landwirtschaft, Tourismus und auch den digitalen Agenden. Dort, wo es den Tourismus gibt, gibt es keine Arbeitslosigkeit und keine Landflucht. Es ist daher eine Frage der Standortpolitik, diese beiden für Österreich wichtigen Bereiche zu verzahnen und damit das Beste für Unternehmer, Mitarbeiter und schlussendlich die Gäste herauszuholen. Dafür braucht es eine Reform der Raumordnung – das Dorfsterben stellt ein massives Problem dar.

Die aktuelle Raumverordnung sehe ich als eines der essentiellsten Hemmnisse in der Entwicklung einer erfolgreichen Tourismusstrategie. Der Ermessensspielraum der Gemeinden gehört massiv eingeschränkt. Wir sehen das bereits tagtäglich, wenn wir in der Salzburger Region durch die Orte fahren: der Ortskern stirbt aus. Am Rande entstehen neue Einkaufs- und Vergnügungszentren. Das regionale Merkmal, das Kolorit, das Alleinstellungsmerkmal der Regionen geht verloren – eine unglaubliche Stärke des österreichischen Tourismus. Daher muss die Raumplanung beim Bund, der auch ökologische Aspekte mit einbezieht, angesiedelt werden. Hier schließt sich wiederum der Kreis zur Land- und Forstwirtschaft als unverzichtbarer Partner.

Die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft ist auch angesichts des Klimawandels mehr als notwendig. Wir müssen nachhaltige Tourismusmodelle entwickeln. Landwirte müssen Teil einer eng verzahnten gemeinsamen Tourismusstrategie sein und nicht mehr gemeinhin als Romantik-Element des „Bauerntums“ vermarktet  werden.