Können Sie Agrarhandel?

Sepp Schellhorn   15.03.2017

Die Diskussion über die Freihandelsabkommen hat interessanterweise eine wesentliche Komponente vernachlässigt: den Agrarhandel. Österreich und auch die EU können den Bedarf an Agrarprodukten gar nicht mehr ausschließlich durch klassische Selbstversorgung abdecken, sondern sind auf den Handel mit agrarischen Produkten angewiesen. Wenn dieser im Rahmen internationaler Handelsabkommen erfolgt, garantiert er zusätzlich auch höhere Standards und bringt Rechtssicherheit.
Die Zahlen hierfür sprechen eine sehr deutliche Sprache: 2015 wurden in Österreich Agrarwaren und -produkte im Wert von 11, 4 Milliarden Euro importiert. Die Exporte waren ähnlich hoch: sie beliefen sich auf 10, 4 Milliarden Euro. Hauptabsatzgebiet war zwar einmal mehr die EU – allerdings folgten relativ knapp als Absatzmärkte die USA, Südamerika und viele asiatische Entwicklungsländer.

Internationaler Agrarhandel stärkt regionale Landwirtschaft

Die Internationalität des Agrarhandels birgt enormes Potential für ein auf die Landwirtschaft stark fokussiertes Land wie Österreich. Neben dem Export als klassisches Handelsinstrument und der damit einhergehenden Entwicklung des ländlichen Raums, findet auch die Unterstützung von Entwicklungsländern bei der Standardisierung von Lebensmitteln und Agrarproduktion statt. Und zwar nach unseren europäischen Standards und Verbraucherschutzabkommen. Damit trägt auch Österreich und seine Landwirtschaft global zur Verhinderung von Unterversorgung und Hungernotsituationen bei – dabei darf natürlich nicht verschwiegen werden, dass hier auch andere Aspekte abseits des Agrarhandels wesentliche Faktoren sind.

Warum TTIP für die österreichische Landwirtschaft wichtig ist

Im Jahr 2015 sind die Agrarexporte in die USA um 39 Prozent gestiegen. Tendenz anhaltend steigend. Dass TTIP von Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter noch vor der Wahl Donald Trumps als totes Pferd bezeichnet wurde, ist angesichts der Entwicklung im Agrarexport in die USA und dem eingebrochenen russischen Markt besonders bedauerlich. Das bedeutet nämlich im Klartext, dass die EU und damit Österreich momentan von zwei sehr großen Volkswirtschaften beim Agrarexport wie auch -import abgeschnitten ist. Mit allen wertschöpfungsrelevanten Folgen.

Die österreichische Landwirtschaft braucht nicht nur neue alternative Konzepte, um aufgrund der geostrategischen Entwicklungen in der Weltwirtschaft keinen Schaden zu erleiden (Stichwort: enge Kooperation mit dem Tourismus) – die österreichische Landwirtschaft ist auf Freihandelsabkommen und die WTO-Partnerschaft angewiesen. Damit wird der ländliche Raum aufgewertet, das Arbeiten im Landwirtschaftsbereich bleibt interessant, die vielen klein- und mittelständischen Unternehmen im Agrarbereich haben eine Zukunft.

Wir brauchen eine globale österreichische Landwirtschaft „Think global, act local.“