Ich bin Freizeitmanager

Sepp Schellhorn   23.06.2017

Gestatten, Sepp Schellhorn, Freizeitmanager. Und im Nebenberuf auch Wirtschaftssprecher der NEOS im Nationalrat. Ich bin ein großer Verfechter der Arbeitszeitflexibilisierung. Gerade weil ich Freizeitmanager bin. Ich arbeite nämlich dann, wenn die anderen ihre Freizeit genießen. Und das wollen alle in vollen Zügen tun. Nur die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen für diesen hedonistischen Ansatz keine Basis.

Liberal ist Arbeitszeitflexibilisierung

Als moderner, liberaler und freiheitsliebender Mensch kann man nur für eine Arbeitszeitflexibilisierung sein. Die nachrückenden Generationen leben sie bereits vor. Der Work-Life-Balance Gedanke ist bei den jungen Menschen viel stärker verankert als bei uns. Durch nachhaltige Veränderungen unserer Arbeitswelten (Stichwort Digitalisierung) möchten die „neuen“ Arbeitskräfte die größtmögliche Freiheit in der Gestaltung ihrer Beschäftigung. Allein, das Gesetz erlaubt es nicht: Freizeitmanager versus 9-to-5-Jobs.

Und im Tourismus würde die Arbeitszeitflexibilisierung die saisonale Arbeitslosigkeit lösen: was meine ich damit? Simpel: dann arbeiten, wenn Arbeit da ist. In der saisonal geprägten Tourismusbranche sind Nebensaison-Zeiten State of the Art. Das heißt konkret: eine Ausweitung der erlaubten täglichen Höchstarbeitszeit bei einer übers Jahr gleichbleibenden Wochenarbeitszeit. Die in Spitzenzeiten geleistete Mehrarbeit würde also in flauen Wochen durch mehr Freizeit ausgeglichen – zum beiderseitigen Vorteil von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Der Durchrechnungszeitraum für Überstunden sollte dabei ein Jahr betragen.

Das ist übrigens bei den Metallern bereits gang und gäbe und für mich vorbildlich, sollte also auf alle Branchen umgelegt werden. Als Gastronom und Hotelier bleibt mir dies jedoch seit Jahren verwehrt und ich nehme die eine oder andere Strafzahlung (!) dafür in Kauf.

NEOS und ich fordern daher …

  • den Durchrechnungszeitraum auf 12 Monate zu verlängern

Die Verlängerung des Durchrechnungszeitraums der Arbeitszeit auf 12 Monaten ist für Betriebe und Staat v.a. bei saisonabhängigen Arbeitszeiten eine Win-win-Situation. Der Betrieb kann die Mitarbeiter das ganze Jahr über beschäftigen ohne Überstundenzuschläge zu zahlen. Da aufgrund der ganzjährigen Beschäftigung die Saisonarbeitslosigkeit verringert wird, erspart sich der Staat das Arbeitslosengeld.

  • Mehr Gestaltungsspielraum für Betriebsvereinbarungen

Im Regelfall sollten Arbeitnehmer_in und Arbeitgeber_in gemeinsam, auf Basis von modernen gesetzlichen Regelungen (Tageshöchstarbeitsgrenze, Durchrechnungszeitraum von 12 Monaten), eigenverantwortlich maßgeschneiderte Lösungen, die die Wünsche und Bedürfnisse beider Vertragsparteien berücksichtigen, finden. Daher muss der Stufenbau des Arbeitsrechts reformiert werden und die Betriebsvereinbarungen auf dieselbe Stufe wie der Kollektivvertrag gestellt werden. D.h., immer wenn das Gesetz dem Kollektivvertrag eine Regelungsmöglichkeit einräumt, gilt diese auch für Betriebsvereinbarung.

UND: 24/7 – Völlige Entscheidungsfreiheit der Unternehmen, wann sie aufsperren wollen

Mindestlohn?  – Mehr netto von weniger brutto!

Dann gibt es noch etwas, das interessanterweise immer mit der Arbeitszeitflexibilisierung in einem Atemzug genannt bzw. vermischt wird: den Mindestlohn. Die Vertreter der Arbeiterkammer meinen, dass mit dem garantierten Mindestlohn die Kaufkraft gestärkt und der Konsum angekurbelt wird.

* Nein, der Segen wäre mehr netto von weniger brutto. Generell. Es kann nicht sein, dass vom Brutto-Lohn, den der Arbeitgeber zahlt, 2/3 beim Arbeitnehmer gar nicht ankommen.

* Vor dem Mindestlohn kommt auch schon die neue Zumutbarkeitsbestimmung von € 1.500,- Mindestgehalt, diese könnte die Vermittelbarkeit von Schlechtqualifizierten weiter negativ beeinflussen.

Außerdem wird dadurch die Bereitschaft Jobs anzunehmen noch geringer. Im Pongau in Salzburg fehlt es an Fachkräften, mit dieser Maßnahme ist niemanden geholfen.

Ich bin sehr gespannt, welchen Entwurf die Sozialpartner zur Arbeitszeitflexibilisierung bis 30. Juni vorlegen werden. Da sie ja unabhängige Organisationen sind, dürften sie sich von den anstehenden Neuwahlen inhaltlich nicht beeindrucken lassen.

 

Das aktuelle Wahlprogramm zum Thema Wirtschaft und Unternehmergeist gibt es auf http://ichtuwas.neos.eu/manifest/wirtschaft