Die Kammern – Vorfeldorganisationen der Parteien

Sepp Schellhorn   08.08.2019

Ich frage mich ganz ehrlich: Welche Unternehmerin und welcher Unternehmer fühlt sich angesichts des aktuellen RH Berichts über das Pensionssystem der WKÖ und der AK von ihrer bzw. seiner Zwangsvertretung eigentlich nicht ausgenommen und hintergangen? Schließlich sind ausgerechnet sie diejenigen, die die Pensions- und Lohnsteigerungen über die Kammerumlage zu bezahlen haben. Ich für meinen Teil muss sagen: Vertreten fühle ich mich von meiner Kammer keinesfalls. Getreten? Ja, aber sowas von!

Die Parteien lassen sich auch von den Kammern fördern
Und wussten Sie eigentlich, dass die Kammern mit dem Geld aus den Einnahmen der Zwangsbeiträge u.a. auch Wahlwerbung betreiben? Wie eine Parlamentarische Anfrage von mir zu den Fraktionsförderungen der Wirtschaftskammer ergab, holen sich die Parteien zu den, auf rund 200 Millionen Euro geschätzten Parteienförderungen in Bund und Ländern – finanziert aus Steuergeld -, auch noch ein Körberlgeld aus den Pflichtbeiträgen der Wirtschaftskammermitglieder und Arbeiterkammermitglieder. Wir Unternehmerinnen und Unternehmer sind nicht (!) der Bankomat der ÖVP!

All dies zeigt eines mehr als deutlich: Es braucht dringend die Aufhebung der Pflichtmitgliedschaft in den Kammern! Kollege Loacker und ich werden hier weiterhin nachbohren und Missstände aufzeigen. Solange, bis die Entmündigung und Abhängigkeit der Unternehmerinnen und Unternehmer in Österreich und damit der aufgeblähte Apparat “Kammerstaat” ein Ende findet.

Wo versickern unsere Zwangsbeiträge noch? Input vollkommen anonym via WKO Leaks möglich – wir gehen jeder Information nach!

Tax Freedom Day
Klingt erstmal friedlich, ist aber in Wahrheit DER Trauertag für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Erst ab hier weg arbeiten die durchschnittlichen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler nämlich in ihre eigene Tasche. Fakt ist, dass in kaum einem anderen Land ein Durchschnittsverdiener so lange arbeiten muss, bis er die gesamten Steuern und Zwangsabgaben abgegolten hat.

Ebenfalls Fakt ist: Die Einnahmen für den Staat sprudeln so ausgiebig wie noch nie und dennoch greift das Finanzministerium kräftig in unsere Geldtaschen.

Allein im ersten Halbjahr haben Sie und ich 676,1 Millionen Euro mehr an Lohnsteuer gezahlt. Auch bei der Körperschaftssteuer für Unternehmen hat Österreich in den ersten beiden Quartalen kräftig zugelangt.

Unterm Strich steht ein sattes Plus von mehr als 10 Prozent.

Nach wie vor kosten die Mitarbeiter zu viel und verdienen zu wenig. Nach wie vor geht für jeden Euro, den etwa mein Koch an Lohn auf sein Konto bekommt, ein Euro an den Finanzminister. Und das ist eine Zumutung! Deshalb muss die Abgabenquote auf unter 40 Prozent gesenkt werden!

Mit unseren zahlreichen Anfragen und Anträgen – von Kammerbeitrags-Senkung über Transparenz bei Parteien bis hin zu Vereinskonstrukten in der WKÖ – haben wir alles im Rahmen unserer Möglichkeiten ausgeschöpft und sind DIE Oppositionspartei.  Mehr Kraft = mehr Hebel. Am 29.09. sehen wir weiter.