Die Boni fliegen hoch

Sepp Schellhorn   19.08.2020

In einer der größten wirtschaftlichen Krisen dieses Landes lässt sich der Vorstand eines Unternehmens, dass nur mehr Dank einer 450 Millionen Euro schweren Staatshilfe existieren kann, rund drei Millionen Euro an Boni auszahlen. So beginnt eigentlich ein schlechter Scherz. Aber wenn Kanzler Kurz, Finanzminister Blümel und ÖBAG-Chef Schmid am AUA-Verhandlungstisch sitzen, werden Vorstandsträume wahr.

Während man KMUs im Regen stehen lässt, werden AUA-Managern fetti Boni ausbezaht

Die AUA wurde aber nicht nur vom Steuerzahler aufgefangen, nein, von der Belegschaft wurden auch noch 7.000 Mitarbeiter_innen zusätzlich auf Steuerkosten in Kurzarbeit geschickt. Und während sich der Vorstand für das Jahr 2019 belohnen lässt, werden über 1.000 AUA-Mitarbeiter_innen abgebaut. Das ist ein Hohn gegenüber allen Steuerzahlern und es ist ein Faustschlag ins Gesicht der AUA-Belegschaft.

Die Verhandlungsprofis Kurz, Blümel und Schmid haben die Boni für 2019 leider vergessen. Blümel bat den Vorstand inständig auf die Boni zu verzichten und sein Bitten wurde erhört. Tja, wer am Verhandlungstisch versagt, muss eben Stoßgebete schicken.

Sichere Gastfreundschaft – aber nur für türkise Freunderln.

Auf Tauchstation ging währenddessen Tourismusministerin Köstinger. Das ist verständlich, denn während ihr Testprojekt zum steuerfinanzierten Debakel gerät, tauchen immer neue türkise PR-Agenturen auf, die mit Aufträgen bedacht wurden. Vor lauter türkiser Auftragsvergaben man leider auf die Strategie und Umsetzung vergessen.

Nachdem wir Köstingers Krisen-Management erleben durften, macht mir der Wintertourismus wirklich Sorgen. Richtig düster sieht es auch im Städtetourismus, bei den Reiseveranstaltern, den Eventbetreibern und der Nachtgastronomie aus. Selbst Monate nach dem Lockdown kommen die Corona-Hilfen nicht in den Betrieben an. Weniger als ein Drittel der Kurzarbeit wurde bisher ausbezahlt, weniger als ein Fünftel des Härtefallfonds und nicht einmal ein Prozent der Corona-Soforthilfe. Das ist kein Hilfspaket, das ist eine Frotzelei.

Mit Österreichs Tourismusfachzeitschrift T.A.I habe ich über die Situation gesprochen

„Lieber Rudi …“

Neben fehlender Krisenkompetenz fehlt mir auch die Menschlichkeit auf der Regierungsbank – darum mein Aufruf an Rudi Anschober die in Österreich ausgebildeten Lehrlinge und Asylwerber nicht abzuschieben.