Der “Plan T” als Startschuss für eine nachhaltige Tourismuspolitik

Sepp Schellhorn   05.04.2019

Das Positive zuerst: Die Überschrift ist gut, die Intention geht in die richtige Richtung. Das darf schon auch einmal gesagt werden. Ebenfalls gesagt werden muss, dass mit dem Prozess und der Präsentation die österreichischen TouristikerInnen zum ersten Mal das Gefühl hatten, gehört zu werden. Ein enorm wichtiger Bestandteil einer Tourismuspolitik, die ja föderal organisiert ist.

Bei näherer Betrachtung ist jedoch festzustellen, dass die angeführten Punkte relativ „blutleer“ unterfüttert wurden.

Es stimmt in dieser Hinsicht einfach auch das Zitat von Helmut Peter „Tourismus ist ein Gesamtkunstwerk“ und die Überschrift im “Plan T” “Ein gemeinsames Handeln garantiert die Umsetzung”.

Und in diesem Detail ist die erwähnte Blutleere vorhanden. Sehen wir uns anhand von 4 Punkten im Detail an, wie der “Plan T” mit messbaren Zielen aussehen könnte, würde ich als Tourismussprecher der NEOS diesen schreiben. Die Betonung liegt auf “messbar”:

1. Der Weg zur nachhaltigsten Tourismusdestination fängt mit der Erreichbarkeit an. Der Wintertourismus ist einer der stärksten Faktoren – und über 75 % der Gäste reisen mit dem privaten PKW an. Hier braucht es einen enormen Schub von infrastrukturellen Maßnahmen um diesen Prozentsatz zu drücken. Das heißt, es braucht dazu das Infrastrukturministerium. Nur so kann es gelingen, den ökologischen Teil zum angestrebten Indikatorensystem zu befüllen. Ziel bis 2030.

2. Destinationsmanagement neu denken. Das stimmt absolut und dazu bedarf es Mut, dies auch zusammen mit den Ländern – den Landesfürsten – zu ändern. Diese müssten Macht abgeben und die 5 Ebenen – Hotel, Gemeinde, TVB, LTO und ÖW – auf 3 Ebenen gedrückt werden. Die Destinationsgesellschaften können somit Gemeinde, TVB und LTO ablösen und damit könnte die Regionalität – auch in Zusammenarbeit mit den regionalen Erzeugern der Landwirtschaft – gefördert und Doppelgleisigkeit abgeschafft werden. Nur so kann man den Wert des Tourismus mit der Bevölkerung auch leben und weiterentwickeln. Nämlich auch wertehaltig weiterentwickeln. Dort, wo es eine gute Infrastruktur und einen funktionierenden Tourismus gibt, wird auch die Lebensqualität gesteigert und somit eine Abwanderung der Bevölkerung gestoppt. Nur so kann man Märkte gemeinsam erobern und sich nicht bei den Hauptmärkten kannibalisieren. Ziel bis 2025.

3. Dies führt zur steuerlichen Komponente und hier ist der Finanzminister gefragt. Wir brauchen ein klares Bekenntnis, dass Tourismus eigentlich 365 Tage pro Jahr in diesem schönen Land funktionieren könnte oder besser gesagt, funktionieren kann. Angesichts der hohen Lohnnebenkosten sind die Unternehmer – und es sind diese Unternehmer, die unsere hervorragende touristische Leistung in Österreich hochhalten – in diesem Land dazu angehalten, ihre Betriebe nach unternehmerischen Gesichtspunkten zu führen. Fakt ist, die Mitarbeiter kosten zu viel und verdienen zu wenig. Ein für mich essentieller Grundsatz.

3.1 Lohnnebenkostensenkung
Das führt auch dazu, dass wir den ländlichen Raum weiter entwickeln müssen und in Form einer „Urbanisierung“ der Mitarbeiter entsprechend Wohnraum schaffen.

3.2 Abschreibungsdauer für Mitarbeiterunterkünfte senken von 66 Jahre auf 30 Jahre
Betriebsstilllegungen und Übergaben erleichtern. Österreich hat über 30.000 Gästebetten zu viel. Das sind jene Betriebe, die es sich nicht leisten können zuzusperren, da sie ansonsten nur in die Insolvenz gehen können. Um dem entgegenzuwirken braucht es Erleichterungen für Betriebsstilllegungen, damit hier eine höhere Wertschöpfung und Preisdurchsetzungsrate für die „gesunden“ Betriebe funktionieren kann. Gleichzeitig muss diese investitionsintensive Branche weiter in die Zukunft und in ihre Hardware investieren können, um Betriebsübergaben auch für die Zukunft garantieren zu können. Dies führt zu Punkt 3.3

3.3 Es braucht eine funktionale Abschreibungsdauer

4. Digitale Potentiale nutzen
Auch hier braucht es mehr an digitaler Infrastruktur. Es kann nicht sein, dass Glasfaser für viele Regionen noch immer in etwa so weit weg ist, wie der Mond, während in Skandinavien schon “die letzte kleine Insel” mit Glasfaser ausgerüstet wird.

4.1 Forschungsplatz 2020: Wir brauchen wieder einen Lehrstuhl für Forschung im touristischen Bereich, um hier auch wieder bei den besten mitspielen zu können.

4.2 Digitale Glasfaser-Milliarde bis 2025

All das wären Ansätze um auch wirklich daran glauben zu können, dass Ministerin Köstinger es ernst meint mit dieser wichtigen Branche. Viel zu wenig Beleuchtung erfährt auch ein gemeinsames Zusammenführen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen: Also der Landwirtschaft und den Verarbeitern mit dem Tourismus. Aber das wäre dann eine andere Geschichte.

Wir werden mitarbeiten und wir werden uns einbringen, damit dieser “Plan T” mit Leben befüllt und ernst genommen wird.

Diese Regierung ist somit aufgefordert, Mut zu zeigen und eben dieses gemeinsame Handeln unter den Ministerien zu beweisen.

Das Leben wie auch der Tourismus ist eben eine Mischkalkulation.