Corona-Tests im Tourismus – null Strategie, aber maximales Schweigen

Sepp Schellhorn   06.08.2020

Wie man ein 150-Millionen-Euro-Projekt für den Steuerzahler und die Betriebe so richtig in den Sand setzt

Das haben Wirtschaftskammerpräsident Mahrer und Tourismusministerin Köstinger erst kürzlich sehr eindrucksvoll gezeigt. Dazu auch mein Interview in der ZIB2 mit Armin Wolf.

Der Steuerzahler zahlt zwar für alle Tests, getestet werden aber nur WK-Mitglieder. Logisch, oder?

Die Partnerlabore der Tourismus-Testregionen kennen weder die Corona-Strategie für Tourismusbetriebe, noch haben sie Kontakt zur Arbeitsgruppe „Safe A“. Dem Irrsinn nicht genug, werden Jugendherbergen und Privatvermieter nicht getestet.

Und bei der Auswahl der Labore – die ordentlich an den Tests verdienen – werden laut Recherchen von zack zack Wirtschaftsbund-Mitglieder bevorzugt.

Kann es sein, dass sich hier ein paar Wirtschaftsbund-Freunderln einen 150 Millionen schweren Kuchen zuschanzen wollten? Es sieht so aus. Und warum bringt sich eine türkise PR-Agentur zur Laborauswahl ein?

Während einige türkise Spezis offensichtlich einen exzellenten Zugang zu schneller Hilfe gefunden haben, lässt man erfolgreiche Unternehmerinnen im Regen stehen.

In Folge 4 meines Podcast habe ich mit der Unternehmerin Farangis Firoozian darüber gesprochen, wie sie unter anderem ihre Wohnung aufgegeben hat, um ihr Unternehmen und ihre Mitarbeiter zu retten.

Asylwerber werden nach erfolgreicher Lehre abgeschoben

Sozialminister Rudi Anschober hat mit mir gegen die Abschiebung von Asylwerbern in der Lehre gekämpft, es war sein Thema. Wir bilden gut integrierte Asylwerber in Mangelberufen aus, und kaum sind sie fertig, schieben wir sie ab. Das ist zwar unmenschlich und zudem auch volkswirtschaftlich dumm, aber so hält Sebastian Kurz die 2019 gewonnenen FPÖ-Wähler bei sich. Taktik vor Integration. Und Rudi Anschober spielt mit.

CoV-Leitfaden: Lange angekündigt, und jetzt nichts Neues

Ministerin Köstinger hat am 31.07. – die halbe Sommersaison war zu diesem Zeitpunkt also bereits um – den seit zwei Monaten versprochenen CoV-Leitfaden für Tourismusbetriebe vorgelegt, wie im Fall einer positiven Testung vorzugehen ist. Wer sich hilfreiche Inhalte oder gar eine klare Containment-Strategie erhofft hatte, wurde enttäuscht. Der Leitfaden von Köstinger enthält jene Infos, die der Bevölkerung seit Monaten kommuniziert werden: bei einem positiven Test zu Hause oder im Zimmer bleiben und 1450 anrufen. Danke, das wussten wir bereits.

Die Sommersaison neigt sich dem Ende zu, und auf eine Return-to-work-Strategie von Frau Köstinger warten die Betriebe immer noch.

Ich halte es übrigens für eine große Leistung, wenn Menschen wissen, was sie können und was sie nicht können. Das ist gar nicht so leicht. Doch im Idealfall setzt man sich mit dieser Frage auseinander, bevor man als Tourismusministerin angelobt wird oder an die Spitze der Wirtschaftskammer tritt.