Festspielzeit für Jedermann ohne Arbeitszeitflexibilisierung

Sepp Schellhorn   18.07.2017

Die Sommerpause des Nationalrates kann ich als Nebenerwerbspolitiker nutzen, um die Gesetze, die ich teilweise (erfolgreich) mitgestaltet habe, auf ihre Alltagstauglichkeit zu prüfen. Wie z.B. die Arbeitszeitflexibilisierung. Denn in Salzburg herrscht jetzt Festspielzeit. Und das bedeutet für meine Betriebe Hochsaison.

Wie schon öfters hier geschrieben, bin ich ein Freizeitmanager. Ich versuche den Menschen ihre Freizeit durch meine Leistung und Arbeit bestmöglich zu gestalten. Denn wenn ich arbeite, ruhen die meisten, wollen gut essen oder einfach ihren Urlaub genießen. Dafür brauche ich aber auch Mitarbeiter, die mehr oder weniger 24/7 zur Verfügung stehen. Denn meine Gäste sind nicht nur 8 Stunden auf Urlaub sondern 24 Stunden, einen vollen Tag lang. In der Dienstleistung für die Freizeitgesellschaft verlangt man oft von uns, dass wir dann da sind, wenn die anderen Freizeit haben. Das heißt eben fast 24/7. Also benötigen die Gesellschaft und ich genügend Mitarbeiter. Und es sind gerade die Mitarbeiter, die nach anderen Arbeitswelten schielen und sich diese wünschen. Vielleicht 3 Tage zu 13 Stunden und den Rest der Woche frei…

Gesetz verbietet Arbeitszeitflexibilisierung

Und daher macht mich die Unfähigkeit der Sozialpartner, im speziellen jene der Wirtschaftskammer, so wütend, dass sie bei der Arbeitszeitflexibilisierung in die Knie gegangen ist. Wenn ich meine Betriebe hernehme, so sind die Hauptsaisonen die Sommermonate und dann der Zeitraum von Ende November bis Ostern. Anstatt den von mir von Anbeginn geforderten Durchrechnungszeitraum von 365 Tagen durchzusetzen, geht die WKÖ beim Mindestlohn in die Knie. Was für die Unternehmen einen enormen bürokratischen Aufwand bedeutet und natürlich auch, dass mehr erwirtschaftet werden muss. Aber das muss immer im Rahmen der Gesetze passieren. Und das geht gerade in der Gastro- und Tourismusbranche, also in der Freizeitwirtschaft, nur schwer. Weil ich Dienstleister bin und mich nach den Gästen richten muss. Und nicht umgekehrt. Wenn ich das aber tue, komme ich mit dem Gesetz in Konflikt

Ich will eine Ausweitung der erlaubten täglichen Höchstarbeitszeit bei einer übers Jahr gleichbleibenden Wochenarbeitszeit.

Das kann doch nicht so schwer sein. Und entspricht den reellen Anforderungen der Tourismus- und Gastronomie-Unternehmen.

Digitalisierung

Ja und dann haben wir noch die schlagwortgeliebte Digitalisierung. Alle sprechen davon. Wenn ich allerdings im Winter zu meinen Skirestaurants durchs Gasteinertal fahre, habe ich nach wie vor „Edge“ am Handy. So funktioniert Fortschritt und Innovation nicht. Und gleichzeitig prägt die Digitalisierung das Arbeitsleben wie keine andere technische Entwicklung zuvor. Wir werden anders arbeiten, auch im Sinne der Work-Life-Balance. Das Leben wird individueller gestaltet werden, eine Umstellung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber – aber auch eine Verbesserung der Leistung und Effizienz. Auch hier hat der Gesetzgeber endlich zu reagieren. Ich postuliere seit Monaten die Digitalen Arbeitswelten und die damit verbundene und notwendige Arbeitszeitflexibilisierung. Es muss etwas geschehen, sonst nimmt der Standort Schaden. Wir hinken im internationalen Vergleich ohnehin bei der Digitalisierung hinterher, wie der jüngste OECD Bericht beweist.

Ich stehe als Gastronom und Touristiker mitten im Unternehmerleben und weiß, was wir Unternehmer brauchen, um den österreichischen Standort zu stärken, die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern und als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Alte, verkrustete Systeme gehören daher aufgebrochen und ein neuer, liberaler Freiheitsgedanke für Unternehmen gehört nach Österreich. Dafür werde ich kämpfen. Meine Kompetenz ist meine Praxis.